| Amtssprache | Französisch, Créole (Haiti) |
| Hauptstadt | Port-au-Prince |
| Staatsform | Republik |
| Staatsoberhaupt | Präsident René Préval |
| Fläche | 27.750 km² |
| Einwohnerzahl | 9.035.536 |
| Währung | 1 Gourde = 100 Centimes |
| Unabhängigkeit | 1. Januar 1804 von Frankreich, 1825 anerkannt, 1863 von den USA |
| Nationalhymne | La Dessalinienne |
| Zeitzone | UTC −5 (Keine Sommerzeit) |
| Kfz-Kennzeichen | RH |
| Internet-TLD | .ht |
| Telefonvorwahl | +509 |
Über das Land Haiti
Haiti grenzt an die Dominikanische Republik, macht den westlichen Teil der Karibikinsel Hispaniola aus und galt ursprünglich als die “Perle der Karibik”.
Der Name „Haiti“ (indianisch: Quisqueya/Bohio) stammt aus der Sprache der Tainos, der Ureinwohner Hispaniolas und bedeutet „Bergiges Land“.
Im Januar 2004 konnte die Republik Haiti den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begehen. Der Kampf um diese Unabhängigkeit war eine echte Sozialrevolution, die zur Emanzipation der Sklavenbevölkerung und zur politischen Unabhängigkeit führte. Dabei musste das haitianische Volk gewaltige Opfer bringen.
Gewaltige Opfer werden auch heute noch von der Bevölkerung Haitis gefordert:
Extreme Armut, ein bedrohlich großes Maß an Krankheiten und Analphabetentum bestimmen das tägliche Leben, immer wieder unterdrücken brutale Tyrannen das Volk. Haitis Existenz war schon immer geprägt von politischer Instabilität und permanenter wirtschaftlicher Unterentwicklung – und zu alledem nimmt die Weltgemeinschaft kaum Notiz von den Problemen des Landes.
Die „Perle der Antillen“, die Haiti einst war, entwickelte sich zu einem der schlimmstem „Armenhäuser“ der Welt.
Die Haitianerinnen und Haitianer kämpfen nicht nur ums wirtschaftliche Überleben, sondern ums Überleben überhaupt!
Die Zahlen, die all diese Fakten untermauern, sind dramatisch:
Bevölkerung
In Haiti wird nur ein sehr kleiner Teil der Geburten oder Todesfälle amtlich registriert. Daher beruhen alle Zahlen auf Schätzungen und Hochrechnungen.
Die Lebenserwartung beträgt knapp 53 Jahre (2005). Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 9,2%, die Kindersterblichkeit bei 13,2%.
75% der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum.
80% der Haitianerinnen und Haitianer sind arbeitslos.
Knapp 90% der Bewohner sind Analphabeten, die weder schreiben noch lesen können.
In Haiti werden Kreolisch als Muttersprache und Französisch als offizielle Sprache gesprochen. Seitdem Anfang der 80er Jahre das Kreolische auch als Unterrichts- und Bildungssprache an den Volksschulen eingeführt wurde, verschlechtert sich unter den Schulkindern die Kenntnis der französischen Sprache mehr und mehr.
Die Sprachen der indigenen Ureinwohner sind ausgestorben.
Die haitianische Bevölkerung teilt sich in 95% Schwarze, 4,9% Mulatten und 0,1% Weiße auf. Ihre Gesamteinwohnerzahl wird auf etwa 8 Millionen geschätzt.
85% der Bewohner sind Katholiken, die übrigen 15% Protestanten, Zeugen und Mormonen; die Voodoo-Religion, welche die Sklaven aus Afrika mitgebracht hatten, hat Adepten in allen Schichten und wird von der Mehrheit der Bevölkerung anerkannt.
40% der Haitianer leben in Städten. Die größten Städte sind: Port-au-Prince mit den Stadtteilen Carrefour, Delmas und Pétionville mit etwa 2,7 Millionen Einwohnern, sowie Cap-Haitien mit etwa 140.000 Einwohnern.
- Gesundheitswesen
Im Gesundheitswesen können Statistiken nahezu nur von einem Übermaß an Krankheiten berichten, deren Bekämpfung der Staat nicht in den Griff bekommt, ja meist gar nicht in Angriff nimmt.
16% der haitianischen Bevölkerung haben sich mit dem Aidsvirus angesteckt. Jedes 5. Kind stirbt im Alter zwischen 0 und 5 Jahren an chronischer Mangelernährung, Eisenmangel, Sichelzellenanämie oder Durchfall. Viele Kinder erblinden, weil der Mangel an Vitamin A in ihrem Körper Glaukom erzeugt. Tuberkulose, Malaria, Typhus, Hepatitis, hoher Blutdruck und Magengeschwüre sind jene Krankheiten, welche die häufigsten Todesopfer sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen verursachen.
Schul- & Bildungswesen
Das Schul- und Bildungswesen Haitis ist auf einem so niedrigen Niveau angelangt, dass 90% der Haitianer Analphabeten sind. Zu verstehen ist dieser so hohe Prozentsatz, wenn man weiß, dass es keine allgemeine Schulpflicht gibt. Die wenigen privilegierten Kinder, die eine Schule auf dem Land besuchen können, müssen ein Schulgeld von mindestens 10 Euro aufbringen, hinzu kommen Kosten für Schuluniformen von mindestens 20 Euro (aufgrund der sehr hohen Temperaturen im Land sind jeweils zwei Uniformen dringend nötig). Der Aufwand für Schulbücher beträgt 20 Euro und steigert sich pro weitere Jahrgangsstufe um 10%. Schüler, die in der Stadt leben, müssen zudem transportiert werden. Diese Ausgaben sind von einer durchschnittlichen haitianischen Familie nicht zu leisten.
Viele haitianischen Kinder und Erwachsene verbringen ihre Tage mit Kinderarbeit, Prostitution, Drogenhandel, illegaler Herstellung von Waffen und deren Gebrauch. Es gibt sehr viele – rechtlose – Straßenkinder. Nicht selten werden Kinder vom Land schon mit 5 Jahren zu wohlhabenderen Familien in die Stadt gegeben, um bei der Hausarbeit zu helfen. Die Eltern erhoffen sich von dieser Maßnahme Kost und Logis für ihre Kinder – und vielleicht den Besuch einer Nachmittagsschule und die Durchführung der Erstkommunion.
Wirtschaft
Die Wirtschaft Haitis liegt danieder. Die wenigen Fabriken, die in den Städten ansässig waren, mussten in den letzten Jahren der Gewalt vor Ort weichen und ließen sich auf benachbarten Inseln nieder. Der bescheidene Handel, der in den Städten noch stattfindet, lebt von der Improvisation. Man kauft und verkauft, was gerade günstig ist und wovon man sich einen kleinen Profit verspricht: gekochtes Essen, schlechte Nahrungsmittel aus dem Ausland, gebrauchte Kleider oder Schuhe. Mehr als 70% der Bevölkerung vegetiert unter der Armutsgrenze dahin.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts exportiert Amerika Reis nach Haiti, die einst wohlhabenden haitianischen Reisbauern zählen heute zu den Armen des Landes. Der Import von Schweinen aus den USA und die Verpflegung mit importiertem Futter verschlingt sehr viel Geld. Die Regierung Duvaliers hatte unter dem Vorwand einer gefährlichen Schweinepest alle haitianischen Schweine ausrotten lassen.
Agrarlandschaft
Haiti ist nur noch dem Namen nach ein Agrarland. Die Bewaldung der Insel hat sich auf 3% dezimiert, der katastrophale Mangel an Wald hat schlimme Folgen: Flutkatastrophen bei starkem Regen und große Dürre in Trockenzeiten.
Eine effektive Aufforstung wurde bisher nicht in Angriff genommen.
Tourismus
Tourismus gibt es auf Haiti kaum, meißt nur in der benachbarten Dominikanischen Republik, dem anderen Teil der Insel Hispaniola. Dort werden kunsthandwerkliche Gegenstände aus Haiti als einheimische Produkte an ahnungslose Touristen verkauft.
Haiti war einst ein reiches und blühendes Land. Auch der Überfall der europäischen Kolonialisten und grausame Sklaverei konnten der Insel, die heute aus Haiti im Westen und der Dominikanischen Republik im Osten besteht, nichts anhaben. Die Insel war die reichste Kolonie der Erde. Nur den Sklaven hat es nichts gebracht, bis sie sich in einem heroischen Kampf 1804 von ihren Peinigern befreiten.
Das heutige Haiti war der erste Stützpunkt für die Eroberer Lateinamerikas. In weniger als 50 Jahren waren die friedlichen Ureinwohner ausgerottet und durch versklavte Afrikaner ersetzt. Dem Gold folgte der Zucker, beides trug zum Reichtum Europas bei, der kleinen Insel aber selbst blieb nichts.
